EIN WENIG GESCHICHTE
(Text: Volker Piasta - Ferienwohnungen im Landhaus - Voltera/Toskana)

Volterra
Teil 3

Die Neuzeit: Von den Medici bis zur Industrialisierung

1427 dehnt Florenz das Katastergesetz auf Volterra aus, ein schwerer Eingriff in dessen Eigenständigkeit. Die Unterhändler der Prioren werden in Florenz gefangengenommen und erst nach Monaten freigelassen. Wieder in Volterra, agitiert ihr Anführer Giusto Landini gegen die Anmaßung, und die Bevölkerung verjagt den florentinischen Hauptmann und bemächtigt sich der Festung.

Den Truppen Florenz' gelingt es nicht, die Stadt einzunehmen, bis Landini am 7.11.1429 von den eigenen Mitprioren unter einem Vorwand in den Priorenpalast gelockt und ermordet wird. Motiv der Tat war nicht so sehr die Furcht der Verräter vor dem militärischen Angriff, als die Verquickung mit den wirtschaftlichen Interessen der Medici.

Rund 40 Jahre danach unterwirft sich Florenz endgültig die Stadt im berühmten «Alaunkrieg» (1472). Hintergrund ist die Entdeckung einer reichen Alaunmine bei Castel del Sasso auf Volterraner Gebiet im Jahre 1470 durch einen Sieneser. Dieser erhält von der Kommune die Ausbeutungsrechte. Als sich dann aber herausstellt, daß an der Minengesellschaft die Volterraner «Pecorino» Inghirami und Benedetto Riccobaldi beteiligt sind, erhebt sich Opposition von wirtschaftlich interessierter Seite.

Durch das Gerücht, der Vertrag sei auf betrügerische Weise zustande gekommen, wird die Bevölkerung aufgestachelt. Die zu kurz Gekommenen lassen die Mine militärisch besetzen, aber Inghirami und Riccobaldi bitten Lorenzo «Magnifico» dei Medici, als Schiedsrichter zu wirken. Doch dieser hat ein persönliches Interesse am Ausgang des Konflikts: Zum einen steht eine florentinische Beteiligung auf dem Spiel, zum anderen zielt Florenz seit langem auf eine endgültige, legale Unterwerfung Volterras. Als Inghirami von der wütenden Menge umgebracht wird, greift Lorenzo dei Medici ein. Nach kurzer Schlacht fällt die Stadt am 18.6.1472 seinen Medici-Festung mit "Maschio"  (Volterra)Truppen unter Graf Montefeltro in die Hände. Von den Plünderungen und Zerstörungen durch die Soldateska erholt sich Volterra lange nicht. Die Gebäude auf der Kastellebene, darunter der Bischofspalast, werden zerstört, und die mächtige Festung mit dem Rundturm (Maschio) wird errichtet. Der Priorenpalast wird Sitz des Florentiner Hauptmanns.

In den Jahren danach entwickelt sich Volterra zu einem treuen Verbündeten der Medici, und 1513 erhält die Stadt den Priorenpalast zurück. Aber noch einmal soll Volterra seine Abhängigkeit von Florenz bitter spüren. Als 1521 Kaiser Karl V nach seinem Vertrag mit Papst Clemens VII Florenz angreift, rebelliert Volterra gegen die Besatzer und bietet dem Kaiser die Kapitulation an.

Florenz, das dem Angriff widerstanden hat, sendet Hauptmann Ferrucci nach Volterra, dem es unter schweren Verlusten der Stadt im Juni 1530 gelingt, die Herrschaft Florenz' wieder herzustellen.

Mit der Entstehung des Großherzogtums Toskana wird Volterra Teil desselben. Wirtschaftlich kann die Stadt nach den Belastungen durch Kriege, Ausbeutung und die Pestseuchen von 1348 und 1630 für lange Zeit nicht mehr Fuß fassen. Die Bevölkerungszahl bleibt bis um 1800 auf einem niedrigen Stand von ca. 5-7.000 Einwohnern. Erst mit dem 19. Jh. zeichnet sich eine Wende ab, als die Salzgewinnung industrialisiert wird und das Alabasterhandwerk neuen Aufschwung nimmt. Um 1930 erreicht die Stadt wieder die gleiche Bevölkerungsstärke wie zur Zeit der Kommune, die Anfang des 14. Jh. ca. 10-12.000 betrug.

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