EIN WENIG GESCHICHTE
(Text: Volker Piasta - Ferienwohnungen
- Immobilien / Hauskauf - Voltera/Toskana)

Volterra
Teil1

Stadt der Etrusker, Stadt des Alabasters.

Zwei Begriffe, die sich im Anfang der Stadt und im Heute vereinen und die den Besucher verlocken, den Spuren der Geschichte zu folgen.

Fügen wir einen dritten Begriff hinzu: Die mittelalterliche Architektur, die das heutige Stadtbild prägt und Zeugnis einer großen Epoche ist.

Von jeher hat die besondere geographische Lage der Stadt, 535 m über dem Meeresspiegel auf einem Hügel gelegen, entfernt von den großen Handels- und Verkehrsstraßen der Antike und der Neuzeit, ihr soziales und wirtschaftliches Geschick bestimmt.

Die fruchtbare Erde in dieser Gegend wurde schon in grauer Vorzeit von Menschen bewohnt, deren Zeugnisse bis in das Eneolithikum zurück reichen.

Der älteste Kern dieser Besiedlung dürfte auf dem höchsten Punkt der Erhebung, der «Akropolis» gelegen haben. Funde aus der Umgebung der Stadt, die dem l0. bis 7. Jh. v. Chr. zuzuordnen sind, belegen die Existenz einer antiken Zivilisation, die neben Werkzeugen und Waffen aus Bronze auch schon solche aus Eisen benutzt. Diese, nach den ersten Funden bei Villanova unweit Bologna benannte Kultur hat uns in Grabfeldern, sogenannten Nekropolen, ihre Zeugnisse hinterlassen, von denen viele Beispiele im Guarnacci-Museum zu besichtigen sind.

Mit der Stabilisierung der Ansiedlungen entwickelt sich der Handel mit anderen Landesteilen und anderen Ländern, es entstehen Kontakte mit anderen Kulturen, die ihre Spuren hinterlassen. Etwa seit dem 7. Jh. v. Chr. finden sich hier Zeugnisse der etruskischen Kultur.

Das Rätseln über die Herkunft der Etrusker dauert bis heute fort. Herodots These von der Herkunft der Tuskier-Tyrrenier aus dem asiatischen Raum wird heute kaum noch vertreten, es gibt zu wenig Belege dafür. Aber auch die Vermutung, daß die Bevölkerung der Villanova-Kultur selbst Vorfahre der Etrusker war, erklärt nicht die bedeutungsvollen Veränderungen von einer Kultur zur anderen. Eine dritte These geht von Einwanderern aus dem Alpenraum aus. Wahrscheinlich entspricht die Wirklichkeit einer Synthese aus allem: Der Zustrom von außen, der neue Elemente in eine bestehende Kultur einbringt, bewirkt tiefgreifende Veränderungen und überlagert alte Gebräuche. Das Rätsel vom Ursprung der etruskischen Sprache, die sich in der Schriftform zum großen Teil des Griechischen bedient, aber dennoch kaum Gemeinsamkeit mit den aus der Antike bekannten Sprachen aufweist, dauert trotz der heute teilweise gelungenen Entschlüsselung fort.

Mit Sicherheit wissen wir, daß die Etrusker (oder Tyrrhenoi, wie die Griechen sie nannten) sich von der südlichen Toskana aus nach Norden bis zum Arno (später bis zur Poebene) und nach Süden bis zum Tiber hin ausbreiteten. Von Veio aus gingen ihre Handelsverbindungen über das Tiberufer «<Litus tuscus») bis nach Kampanien, noch bevor Rom Bedeutung erlangte. Im Norden war Velathri, das heutige Volterra, der wichtige Bündnispartner im etruskischen Zwölfstädtebund der Lukumonien (Fürstentümer). Sein Reichtum gründete vor allem auf Mineralfunden und dem daraus folgenden Handel mit Kupfer und Salz. Hieraus entstanden wirtschaftliche und kulturelle Kontakte mit den hochentwickelten Zivilisationen der Antike, mit Zypern, Phönizien, Ägypten und vor allem Griechenland, wie es Funde aus dem 6. Jh. v. Chr. (z.B. die Stele von Avile Tite) zeigen.

Vom 7. bis zum 4. Jh. v. Chr. wächst Etrurien wirtschaftlich und geographisch. Der Stadtstaat Velathri breitet sich im Westen bis nach Elba aus, wo reiche Eisenerzminen liegen, im Norden bis zum Arno, im Süden grenzt sein Territorium an das der Lukumonien Vetulonia und Roselle (Russellae), im Osten an Fiesole (Faesulae), sowie an Arezzo (Arettium) und Chiusi (Clusium). Etwa vom 6. Jh. an baut die Stadt ihre gewaltigen Verteidigungsmauern, zunächst auf der Kastellebene beginnend, schließlich immer weitere Bereiche umfassend.

Im 5. bis 4. Jh. v. Chr. schließlich entsteht der große Mauerring, der rd. 7,3 km lang war und eine Fläche von 116 ha (1,16 Mio. m') mit Siedlung, Tempeln, Äckern, Gärten und Quellen umschloß und schätzungsweise 25.000 Einwohnern Schutz bot. Von ihm sind heute noch das Bogentor (Porta all'Arco) und das Dianator (Porta Diana), sowie an mehreren Stellen beeindruckende Reste der zyklopischen Mauern zu sehen. War auch der wirtschaftliche Aufstieg der Etrusker zunächst überwiegend friedlicher Natur, so brachte die Expansion doch Anlaß zu militärischen Konflikten. Vom 4. Jh. an sinkt die wirtschaftliche und territoriale Macht Etruriens. Velathri verliert mit Populonia einen wichtigen Zugang zum Meer, der durch Vada nördlich der Cecinamündung ersetzt wird.

Der hellenistische Kultureinfluß wächst, und der Expansionsdrang Roms zielt auch auf die reichen Erzminen Volterras.

Nach dem Bericht des Titus Livius dringen im Jahre 298 v. Chr. die römischen Truppen siegreich in den volterranischen Raum ein und hinterlassen Verwüstungen. Die Etrusker, zu deren Prinzipien Friedfertigkeit und Regionalismus zählen, und deren Neigung zum Wohlleben im Altertum sprichwörtlich war, können auf Dauer den straff geführten Legionärstruppen Roms mit der zentralistischen und klar expansionistischen Zielrichtung nicht widerstehen. In der entscheidenden Schlacht am Vadimonosee 283 v. Chr. verliert auch Velathri schließlich seine Unabhängigkeit und wird als Volaterrae Teil der italischen Konföderation. Rom stellt der Stadt keine extrem harten Bedingungen, sondern bedient sich ihrer im Kampf gegen die Gallier. Sie wird zum treuen Bündnispartner und liefert im zweiten punischen Krieg Korn und Ausrüstungsmaterial für die Schiffe des Konsuls Scipione. Durch die Verlängerung der Via Aurelia entlang der Küste bis nach Pisa wird Volterra noch stärker als bisher von den Handelswegen abgeschlossen. Die Stadt bleibt Rom auch in den Sozialkriegen treu und erhält als Anerkennung im Jahre 90 v. Chr. von Julius Cäsar die römischen Bürgerrechte zuerkannt. Das Herrschaftssystem der Lukumonen wird ersetzt durch ein Vierergremium (Quatorvirat), das die administrative und juristische Gewalt ausübt. Die Vertreter Volaterraes haben Sitz und Stimme (wenn auch mit geringem Gewicht) in der Vertretung der 45 Regionen in Rom. Im Bürgerkrieg zwischen Marius und Silla (88 v. Chr.) stellt sich Volterra zusammen mit Fiesole, Arezzo und Populonia gegen den Patrizier Silla auf die Seite der demokratischen Partei. Der siegreiche Silla belagert Volterra zwei Jahre lang, das nach heldenhaftem Widerstand schließlich geschlagen wird. Die Stadt wird geplündert und durch Cäsar mit dem Verlust der Bürgerrechte bestraft. Dank der leidenschaftlichen Fürsprache Ciceros werden die harten Strafen Sillas jedoch nie voll angewandt.

Trotz der schweren Niederlage behält Volterra einen großen Teil seines Gebietes, wenn es auch die Kolonie Saena Julia (Siena) abtreten muß. Seine Bedeutung noch zur Zeit des Kaisers Augustus (Regierungszeit 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.) wird durch großartige Bauten, wie das Theater und den Wasserspeicher belegt.